Dick ist nicht hässlich und schlank nicht immer schön!

Dick ist nicht hässlich und schlank nicht immer schön!

Das Empfinden von Schönheit und Attraktivität ist von jeher einem ständigen Wandel unterzogen. In der heutigen Zeit prägen Medien und soziale Netzwerke das Schönheitsideal. Ein Ideal, welches pauschal und oberflächlich festlegt, was in unserer Gesellschaft schön und was als unattraktiv oder sogar hässlich gilt. Dicke Menschen werden hier oftmals unattraktiv und schlanke Menschen attraktiv dargestellt. Mehr noch – es werden der Leibesfülle sogar Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen zugeschrieben, wie Faulheit, Disziplinlosigkeit und fehlende Hygiene.

Diese Stigmatisierung von Adipösen ist durch eine Vielzahl von repräsentativen Umfragen und Studien nachgewiesen. Dabei kommt diese Diskriminierung nicht nur im Alltag, Berufs- und Privatleben vor, sondern vielfach auch in unserem Gesundheitssystem. Dies führt dazu, dass Betroffene den Gang zum Arzt oftmals meiden.

Auch mich als Mediziner und insbesondere als stellvertretenden Leiter eines Adipositaszentrums, lassen solche Entwicklungen nicht kalt. Mir hat die Praxis sowie der tägliche Umgang mit meinen Patienten gezeigt, dass Vorurteile und eine falsche Wahrnehmung in unserer Gesellschaft einen enorrmen psychischen Druck auf die Betroffenen ausüben. Vielfach leiden die Patientin an einer sogenannten sekundären Depression, also eine psychische Folge der oftmals jahrelangen Auseinandersetzung mit der Adipositas.

Wer glaubt, dass dies nur Menschen betrifft, die einen sehr hohen BMI haben, der irrt sich, denn manchmal erzeugt dieses Schönheitsideal auch bei Menschen mit einem sehr geringen Übergewicht einen so großen Leidensdruck, dass sie ihre reale Lebenssituation entweder gar nicht oder nur noch verklärt wahrnehmen.

Die Folge sind dann spontane „Crashdiäten“ oder Hungerkuren, die sich sehr nachteilig auf den Stoffwechsel auswirken und nicht selten das genaue Gegenteil von dem bewirken, was sie sollen. Fast immer folgt einem anfänglichen Gewichtsverlust ein erneuter starker Gewichtsanstieg, der mit dem Begriff „Jo-Jo-Effekt und „weight cycling“ passend beschrieben wird.

Der übermäßige Anstieg des Körpergewichtes kann viele gesundheitliche Probleme hervorrufen und sollte sicher behandelt werden. Auch wenn Sie selbst sich nicht wohlfühlen, wird es Zeit zu handeln. Dieses Handeln sollte jedoch von einem guten medizinischen Konzept und der Unterstützung durch kompetente Therapeuten und Mediziner bestimmt sein.

Sie selbst sollten den richtigen Zeitpunkt zum Handeln bestimmen und sich der Tatsache bewusst sein, dass es bei der Adipositastherapie nicht um die Erfüllung ästhetischer Ideale geht, sondern um eine ernsthafte medizinische Therapie zur Werterhaltung und Verbesserung Ihrer gesundheitlichen Situation.

Ihr
Dr. med. Min-Seop Son
Leitender Oberarzt der AMC-WolfartKlinik, Zentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie

Foto: © Photographee.eu

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