Glossar

In diesem Glossar erklären wir Ihnen zur besseren Verständlichkeit die wichtigsten Begriffe zu den operativen Verfahren.

Minimal invasive Chirurgie: Der Begriff charakterisiert Operationen, die unter Verzicht auf größere Schnitte über mehrere Trokar-Hülsen (kleines Rohr, durch das Instrumente durch die Bauchdecke in den den Bauchinnenraum eingeführt werden könen) als Zugang durchgeführt werden. Wesentlicher Vorteil gegenüber der herkömmlichen Chirurgie ist somit das geringere operative Zugangstrauma und zahlreiche daher resultierende Folgevorteile (s. Tabelle).
Alle Verfahren der bariatrischen und metabolischen Chirurgie werden in minimal invasiver Technik durchgeführt. Hierdurch konnte das Operations- und Komplikationsrisiko wesentlich gesenkt werden.

Vorteile der laparoskopischen Chirurgie
Geringere postoperative Schmerzen Bessere postoperative Atmung
Weniger Lungenkomplikationen Kürzere postoperative Beeinträchtigung der Magen-/Darm-Funktion
Schnellere Mobilisation Weniger Thrombosen und Embolien
Geringerer Blutverlust und Transfusionsbedarf Weniger Wundkomplikationen (Infekt, Platzbauch, Narbenbruch)
Kürzerer postoperativer stationärer Aufenthalt Schnellere Rekonvaleszenz
Frühere Arbeitsfähigkeit Weniger Verwachsungen im Bauchraum
Besseres kosmetisches Ergebnis  

Bariatrische Chirurgie: Operationsverfahren, die eine Gewichtsreduktion bewirken (Baros=Gewicht).

Metabolische Chirurgie: Operationsverfahren, die unabhängig von einer Gewichtsreduktion sofort positiv auf den Stoffwechsel einwirken und insbesondere zu einer Rückbildung der Zuckerkrankheit (Diabetes 2) führen (Metabolismus=Stoffwechsel). Die Mechanismen dieser Wirkung sind bislang nur unvollständig verstanden und haben mit durch die Operation verursachten Veränderungen des Hormonverhaltens im Magen-Darm-Trakt zu tun. Die klassischen bariatrischen Verfahren mit Ausnahme des Magenbandes zeigen diese metabolische Wirkung, v.a. Verfahren mit Bypass-Komponente (kombinierte und malabsorptive Verfahren).

Restriktion: Durch eine Verkleinerung des Magens kann deutlich weniger Nahrung aufgenommen werden. Dadurch Gewichtsverlust. Typische restriktive Verfahren: Magenballon, Magenband, Schlauchmagen.

Malabsorption: Bedingt durch eine Umleitung (Bypass) oder Teilung (Diversion) des Dünndarms kann die aufgenommene Nahrung weniger verwertet werden. Dadurch Gewichtsverlust. Typische rein malabsoprtive Verfahren: Biliopankreatische Teilung nach Scopinaro (BPD-S) oder nach Larrad (BPD-L).

Kombinierte Verfahren: Operationsmethoden, die sowohl eine restriktive wie malabsorptive Komponente haben. Typische kombinierte Verfahren: Magenbypass, Biliopankreatische Teilung mit Duodenal Switch (BPD-DS), SADI/S.

Reflux: Saurer Reflux stammt aus dem Magen. Der saure Magensaft fließt in die Speiseröhre zurück und kann hier zu Symptomen wie Sodbrennen und Entzündungen führen. In der Regel Folge einer Undichtigkeit des Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen. Meist vergesellschaftet mit dem Höhertreten von Magenanteilen durch das Zwerchfell in den Brustkorb (Hiatushernie). Entwickelt sich gehäuft nach Anlage eines Schlauchmagens (Sleeve).
Alkalischer oder galliger Reflux stammt aus dem Duodenum bzw. Dünndarm und bezeichnet ein Zurückfließen galliger Flüssigkeit in den Magen und evtl. darüber hinaus in die Speiseröhre. Folgen können Entzündungen der Magenschleimhaut und der Speiseröhre mit den dazu gehörigen Symptomen wie Oberbauchschmerzen oder Sodbrennen sein.
Der Roux-Y-Magenbypass beseitigt den Reflux und ist das am besten wirksame antirefluxive Operationsverfahren überhaupt.

Dumping-Syndrom: Durch eine Sturzentleerung flüssiger und fester Nahrung vom Magen in den Dünndarm bedingte Folgen (to dump=plumpsen). Ursächlich ist eine Störung der Reservoirfunktion des Magens, die zu einer zu schnellen Entleerung des Mageninhalts führt. In der Regel nach Operationen, bei der der Magenausgangsmuskel (Pylorus=Magenpförtner) nicht mehr in Funktion ist.
Früh-Dumping: Kreislaufreaktion durch Flüssigkeitsverschiebung aus dem Blut in den Darm. Dadurch Blutdruckabfall bis Kreislaufkollaps wenige Minuten nach der Nahrungsaufnahme.
Spät-Dumping: Tritt > 30 Minuten nach Nahrungsaufnahme auf und ist Folge einer zunächst verstärkten Kohlenhydrataufnahme (also Zucker) aus dem Dünndarm mit darauf folgender starker Insulinausschüttung. Nach Verdauung des Zuckers kommt es durch die überschießende Insulinsekretion zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit Schwindelgefühl, Übelkeit, Zittern, Herzklopfen, Schweißausbrüche usw.

Nahtinsuffizienz: Gefürchtete aber sehr seltene Komplikation (≈ 1%), bei der eine Naht oder Anastomose eine Heilungsstörung mit resultierender Undichtigkeit entwickelt. Die Behandlung kann je nach Befund und Verlauf rein konservativ, interventionell endoskopisch bzw. radiologisch oder operativ erfolgen.

Anastomose: Nahtverbindung von Teilen des Magen-Darm-Traktes. Herstellung durch Naht mit Nadel und Faden, durch Klammernaht mit speziellen Instrumenten oder eine Kombination von beidem.

Alimentärer Schenkel: der Dünndarmabschnitt, der nur die Nahrung ohne Beimischung von Verdauungssäften transportiert.

Biliopankreatischer Schenkel: der Dünndarmabschnitt, der nur die Verdauungssäfte (Bilis=Galle, Pankreas=Bauchspeicheldrüse) ohne Kontakt zur Nahrung transportiert.

Common Channel: Gemeinsamer Kanal. Bezeichnung für den letzten Dünndarmabschnitt vor Einmündung in den Dickdarm, in dem nach Zusammenführung des alimentären- mit dem biliopankreatischen Schenkel die Nahrung gemeinsam mit den Verdauungssäften transportiert und daher verdaut wird.

Zwei-/Drei-Stufen Konzept: Ziel ist es, durch ein schrittweises Vorgehen das Risiko eines Eingriffs bei Hochrisiko-Patienten oder bei Menschen mit einem zu hohen Gewicht (BMI > 60) und hierdurch bedingt hohem Operationsrisiko zu senken. Beim Drei-Stufen Konzept wird in der Regel zuerst ein Magenballon für 6 Monate eingesetzt, dann eine Schlauchmagen-Operation durchgeführt und schließlich nach 1-1,5 Jahren falls noch nötig in einen Bypass oder eine biliopankreatische Teilung umgewandelt. Beim Zwei-Stufen Konzept entfällt die Magenballon-Implantation.

Duodenum: = Zwölffingerdarm, liegt zwischen Magen und Dünndarm und ist ca. 30 cm lang. Hier münden die Gänge für die Verdauungssäfte aus der Leber und Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Jejunum: = Leerdarm, 1. Teil des Dünndarms, etwa 2/5 des gesamten Dünndarms.

Ileum: = Krumm-oder Hüftdarm, 2. Teil des Dünndarms, etwa 3/5 des gesamten Dünndarms.

Supplementation: Bezeichnung für die ergänzende Aufnahme einzelner Nährstoffe neben der gewöhnlichen Nahrung (supplere=ergänzen). Alle bariatrischen oder metabolisch-chirurgischen Verfahren erfordern zunächst eine strikte tägliche Einnahme eines Multivitamin-Präparates, ggf. auch weiterer Präparate wie Vitamin-D, Eisen, Calcium, Zink u.a. Nach Verkleinerungen am Magen ist eine regelmäßige Zufuhr von Vitamin-B12 notwendig. Prinzipiell wird eine lebenslang notwendige Supplementation empfohlen. Unsere Erfahrungen zeigen allerdings, dass viele Menschen einige Jahre nach der Operation keine Supplementation mehr benötigen.

Nachsorge: Alle bariatrischen oder metabolisch-chirurgischen Verfahren bedürfen einer lebenslangen, regelmäßigen Nachsorge, die sich inhaltlich für die verschiedenen Verfahren leicht unterscheidet und grundsätzlich eine klinische Untersuchung, die Erfassung des Ernährungsverhaltens, –status und Lebensstils sowie eine umfangreiche Blutuntersuchung umfasst. Ziel ist die frühzeitige Erfassung von etwaigen Komplikationen und Mangelerscheinungen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) mit falls notwendig rechtzeitiger Gegensteuerung. Wir empfehlen Kontrollen im 1. Jahr nach 4 Wochen und dann jedes Quartal, im 2. Jahr halbjährlich und ab dem 3. Jahr jährlich und bieten dies in unserem Zentrum an.