Kinder und Jugendliche

Babys, die schon als Wonneproppen zur Welt kommen und ihren Babyspeck nicht gleich loswerden, müssen später nicht unbedingt unter Adipositas leiden. Jedoch werden zahlreiche Verhaltensweisen rund um das Thema Essen bereits früh – teilweise schon in der Schwangerschaft – gestellt, und oftmals entwickelt sich aus diesen Faktoren eine Adipositas.

Mangelnde Bewegung der werdenden Mutter, zu viel Süßes und zu viel Fettes legen früh den Baustein für eine übermäßige Gewichtszunahme. Statistisch betrachtet einen schlechteren Start haben zudem nicht gestillte Säuglinge: sie neigen vermehrt zu Übergewicht. Wohingegen Kinder, die als Babys mindestens sechs Monate lang voll gestillt wurden, das geringste Risiko für Übergewicht verzeichnen, so auch die KIGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin.

Ursachen

Neben einer genetischen Vorbelastung, wonach die meisten übergewichtigen Kinder mindestens ein übergewichtiges Elternteil haben, sind die Lebensgewohnheiten innerhalb der Familie prägend.

  • Gibt es feste Zeiten für gemeinsame Mahlzeiten?
  • Werden ständige Zwischenmahlzeiten eingenommen?
  • Welche Qualität und welchen Stellenwert hat das Essen?
  • Wieviel Bewegung hat das Kind?
  • Sind Süßigkeiten zur Belohnung an der Tagesordnung?

Mitunter sind auch psychische Ursachen für die steigenden Kilozahlen verantwortlich, denn insbesondere manche Jugendliche kompensieren mit einer übermäßigen Kalorien- und/oder Fettzufuhr belastende Situationen. Schulstress, Verlustängste, selbst Langeweile können dafür ursächlich sein. In wenigen Fällen liegen körperliche Erkrankungen wie eine Funktionsstörung der Schilddrüse vor.

Die Folgen sind kein Zuckerschlecken

Eine verminderte Leistungsfähigkeit und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ebenso gegeben wie ein Anstieg von Blutfetten und Blutzuckerspiegel, was wiederum die Entstehung einer Diabetes fördert. Adipöse Kinder und Jugendliche leiden oft unter Haltungsfehlern, weil die Belastung der Knochen, vor allem der Gelenke, zu groß ist und die Muskeln zu wenig ausgeprägt sind, um die Kilos richtig zu tragen. Auch kann das Bindegewebe irreparabel reißen. Ein beschleunigtes Längenwachstum und eine frühere Skelettreife, hormonelle Veränderungen und der frühere Eintritt in die Pubertät sind weitere Auffälligkeiten. Auch seelisch liegt vieles im Argen – das Selbstwertgefühl ist oft im Keller, teilweise wegen Ausgrenzungen in Kindergarten und Schule, teilweise aufgrund ständiger Ermahnungen oder Kritik.

Der Hoffnung vieler Eltern, dass sich die zusätzlichen Pfunde später „verwachsen“, sollte nicht zu große Bedeutung beigemessen werden; zwar kann Übergewicht während bestimmter Wachstumsphasen vorübergehend sein, je älter das Kind dabei jedoch ist, desto größer ist das Risiko, auf lange Sicht übergewichtig durchs Leben zu gehen. Wer also Zweifel hat, sollte dringend den Body Maß Indes (BMI) checken, was dank BMI-Rechnern im Internet innerhalb von Sekunden machbar ist. Er errechnet sich, anders als bei Erwachsenen, nicht nur aus Gewicht und Größe, sondern zusätzlich aus den Komponenten Alter und Geschlecht.

Mit einer Adipositastherapie entgegengesteuern

Hat sich der Verdacht bestätigt, heißt es schnell handeln, denn je eher mit einer Adipositastherapie entgegengesteuert wird, umso höher sind die Chancen auf ein Normalgewicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt die Hilfe von Fachleuten wie Ärzte, Ernährungsberater und Psychotherapeuten. Auch beispielsweise Krankenkassen, Physiotherapeuten und Kliniken bieten Therapieprogramme an, die entweder ambulant, also innerhalb des häuslichen Lebensumfelds, teilstationär oder stationär greifen.

Wichtig ist, dass die jungen Patienten während ihrer Adipositastherapie Halt und Unterstützung auch innerhalb der Familie finden. Das Gewicht sollte nicht zum Dauerthema gemacht werden, vielmehr ist Motivation selbst bei kleinsten Schritten und erst recht bei Rückschlägen angesagt.


Die Gefahr von Essstörungen und Depressionen ist nicht zu unterschätzen.
Im Adipositaszentrum München Gräfelfing beobachten wir die steigende Gewichtsentwicklung von Kindern und Jugendlichen mit großer Sorge und sind bemüht durch die Kooperation mit spezialisierten Behandlungsadressen dieser Entwicklung entgegen zu treten.
Gerne vermitteln wir Ihnen einen Kontakt zu diesen Adressen oder beraten Sie persönlich über die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten. Auch bieten wir im Bereich der Ernährungsberatung unterschiedliche Angebote für Kinder und Jugendliche an.